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Motorradlärm & Verbote

Soll Motorradfahren verboten werden? Soll Autofahren verboten werden? Soll fliegen verboten werden? Oder anders gefragt: Was wird in Zukunft noch erlaubt sein?

Zugegeben, die Fragen sind etwas provokant, was aber leider auch seine Berechtigung hat. Hier meine Informationen und persönlichen Gedanken zur aktuellen Thematik.

Einleitung zur Thematik „Lärm“

Wir leben in einer zivilisierten Welt und sind vielen äusseren Reizen ausgesetzt. Welche schädlich und welche gesund sind, hängt meistens wohl an der Dosis ab. Ob Paracelsus ein Motorradfahrer gewesen wäre, hätte es denn Motorräder gegeben, kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich hätte er die praktische Bewegungsform geschätzt.

Kommen wir nun also zur Dosis Lärm. Wer an ein Rock- oder anderes Live-Konzert geht, setzt sich freiwillig einer „Lärmquelle“ aus, welche er oder sie jedoch als angenehm empfinden. Setzen sie jedoch in die Mitte dieses Konzertes, dessen Musikgeschmack ein komplett anderer ist, wird er dieses Konzert aus unausstehliche Lärmbelästigung empfinden.

Mit der BMW auf der Route des Grandes Alpes
Mit BMW & Vespas auf der Route des Grandes Alpes

Forschungsergebnisse des TCS Schweiz

Gleich verhält es sich auch mein Motorenlärm. Eine Untersuchung zu dieser Thematik, welche der TCS Schweiz im Auftrage des Bundesamtes für Umwelt durchgeführt hatte, kam zum Schluss, dass Motorräder mit legaler
Auspuffanlage im Schweizer Fahrzeugpark nicht wegen übermässigen Lärmwerten auffallen würden, was aber nicht bedeute, dass es keinen übermässigen Motorrad-Lärm gebe. Als mögliche Gründe für zu laute Motorräder sieht der TCS folgende Punkte:

  • auf dem Markt gibt es zu laute Auspuffanlagen ohne CH-Zulassung.
  • selbst für technisch wenig Versierte sei es keine Hexerei, einen Auspuff lauter zu machen.
  • sowie der Umstand, dass sich auch ein ordnungsgemässes Motorrad mit Schaltgetriebe unnötig laut betreiben lasse.

Es gibt sie also auch bei den Motorradfahrern, diese „schwarzen Schafe“. Muss man daher das Motorradfahren also gleich gänzlich unterbinden?

Bevor ich selbst zu meiner persönlichen Zusammenfassung komme, hier noch ein kurzer Überblick über die Diskussionen in einigen unserer Nachbarländer.

Die Situation in Deutschland

Michael Kutsche, Redaktor bei der Schweizerischen Motorradzeitschrift „Töff“ (schweiz. für Motorrad) schrieb im Mai folgendes dazu: „Motorradlärm: Man setzt in Deutschland nicht mehr auf die Selbstverantwortung des Bürgers, sondern auf die autoritäre Durchsetzung von Zielen. Die Pädagogisierung scheint nun von der Bevormundung abgelöst worden zu sein. Schlechte Karten für die Gastronomen und Hoteliers: Motorradtouristen scheinen nun in Deutschland tatsächlich nicht mehr willkommen zu sein“.

In der Tat scheint die Diskussion in die Richtung zu gehen, dass in Deutschland Motorradfahren an Sonn- und Feiertagen verboten werden könnte.

Tourguides unterwegs

Fahrverbote im Tirol

Während in Deutschland noch über mögliche Fahrverbote zur Eingrenzung von „Motorradlärm“ diskutiert wird, machte Österreich im Tirol Nägel mit Köpfen: Seit dem 10. Juni sind gewisse Strecken für „zu laute“ Motorräder gesperrt. Wohlgemerkt handelt es sich dabei auch um korrekt homologierte und zugelassene Motorräder. Man muss kein Jurist sein um festzustellen, dass Rechtssicherheit anders aussieht.

Der Gesetztestext des Landes Tirol lautet derer Website wie folgt:

Fahrverbot für besonders laute Motorräder in den Bezirken Reutte und Imst

1) Allgemeine Informationen

Die Bevölkerung im Bezirk Reutte wird bereits seit Jahren durch den ständig wachsenden Motorradverkehr durch Lärm stark belästigt. Dies wird durch die im Auftrag der Landesregierung erstellten Motorradlärmstudie Außerfern 2019 bestätigt. So werden an bestimmten Tagen auf der L 246 Hahntennjochstraße 3.300 Motorräder gezählt. Gemessen am Gesamtverkehrsaufkommen entspricht dies einem Anteil von nahezu 70 Prozent.

2) Maßnahmen:

Aufgrund der erheblichen Lärmbelastung für die im Bezirk Reutte lebende Bevölkerung werden vom 10. Juni bis 31. Oktober 2020, Fahrverbote für besonders laute Motorräder Standgeräusch (Nahfeldpegel) > 95 dB (A) erlassen:

– B 198 Lechtalstraße von Steeg (Landesgrenze Vorarlberg) bis Weißenbach am Lech
– B 199 Tannheimerstraße von Weißenbach am Lech bis Schattwald (Staatsgrenze Deutschland)
– L 21 Berwang-Namloser Straße von Bichlbach bis Stanzach
– L 72 Hahntennjochstraße 2. Teil von Pfafflar bis Imst (Passhöhe)
– L 246 Hahntennjochstraße 1. Teil von Imst (Passhöhe) bis Imst Kreuzung Vogelhändlerweg
– L 266 Bschlaber Straße von Elmen bis Pfafflar

3) Geltungszeitraum:

Das Fahrverbot gilt zwischen 10. Juni und 31. Oktober 2020.

Indian Roadmaster auf dem Furkapass
Indian Roadmaster auf dem Furkapass

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Auch hier gibt es Forderungen, wonach das Motorradfahren, oder zumindest die lauten Motorräder verboten werden sollen. Im Beobachter vom 12. Juni 2020 steht unter anderem folgendes geschrieben:

In der Schweiz fordert die Aargauer SP-Nationalrätin Gabriela Suter gar ein generelles Fahrverbot für laute TöffsTÖFFLÄRM Die Lärmgrenzwerte sind reine Theorie mit einem Standgeräusch über 95 Dezibel. Sie hat Anfang Juni einen entsprechenden parlamentarischen Vorstoss eingereicht. «In der letzten Zeit habe ich gehäuft Mails von Anwohnern und Ruhesuchenden erhalten, die sich über die Lärmbelästigung durch rücksichtslose Auto- und Motorradfahrer beklagen, die extra hochtourig oder mit getunten Fahrzeugen herumfahren», sagt Suter.

Es wird auch der Einsatz von sogenannte Lärmblitzern gefordert, wovon einer in Genf versuchsweise im Einsatz sei. Weiters zitiere ich folgendes aus dem Beobachter:

Rücksichtslose Krachmacher auf zwei Räder finden auch in Töffkreisen keine Unterstützung. «Es ist eine ganz kleine Minderheit, die die ganze Motorrad-Szene in Verruf bringen», sagt Markus Lehner von motosuisse, der Vereinigung der Schweizer Motorrad- und Roller-Importeure. Wie bei den Fussball-Hooligans würden gegen diese kleine Minderheit kein Appell an die Vernunft, sondern nur harte Strafen helfen, ähnlich wie bei der Rasergesetzgebung. «Das befürworte ich, sofern ähnlich wie bei den Rasern nur die wirklich unbelehrbaren Krawallbrüder konsequent aus dem Verkehr gezogen werden.»

Lehner geht aber davon aus, dass sich die Problematik mit der Einführung der Euro-Lärmnorm 5b ab Januar 2024 ohnehin stark entschärfen werde. «Auspuffanlagen mit einer Klappe, die das Motorgeräusch schlagartig verstärkt, dürften dann wohl der Vergangenheit angehören», so Lehner.

Hotel & Motorrad
Hotel & Motorrad

Die Folgen für Hotellerie und Tourismus

Für gewisse Regionen und Hotels werden diese Verbote und Einschränkungen verheerende Folgen haben. Der bekannte Influencer Thomas von Tomtour hat hierzu eigens ein Video auf Youtube gepostet, welches ich Euch empfehlen kann.

Die Online-Platform Speekwork schreibt zum Verbot im Land Tirol folgendes:

Damit haben sie wohl nicht gerechnet: Motorradfahrer halten zusammen, eine Stornowelle bricht über die Tiroler Hotels herein. Grund sind willkürlich festgelegte Fahrverbote für laute Motorräder.

Auch das ORF zitiere ich wie folgt:

ÖAMTC sieht Motorrad-Hersteller in der Pflicht

Die Dezibelgrenze im Typenschein kann ein Aufheulen der Motoren allerdings nicht verhindern. Bei hoher Drehzahl kann auch eine Vespa zum Rennmotorrad werden. Das Fahrverhalten der Motorradlenker sei hier besonders wichtig, sagt auch der ÖAMTC. Gleichzeitig gebe es großes Potenzial bei den Herstellern. Man dürfe nicht nur Auspuffsysteme anbieten, die die Maschinen lauter machen, sondern auch solche, die für eine leisere Fahrweise sorgen. Das sei sicher ein aufwendiger Schritt, aber sehr nachhaltig, so der ÖAMTC.

Hoteliers nicht zufrieden mit Verordnung

Auch einige Wirte im Außerfern fühlen sich von dem Motorradfahrverbot eingeschränkt. Sie hatten in diesem Sommer stark auf die Motorrad-Urlauber gesetzt. Durch die Bekanntgabe des neuen Fahrverbotes sei eine Stornierungswelle ausgelöst worden. Auf Internetseiten der Motorradfans sei ein „Shitstorm“ über Österreich hereingebrochen, erklärten Kai Bürskens, Hotelier aus dem Lechtal, und Herbert Gassner, Chef der Motorradhotels (kurz MoHo).

Sie sehen einen Imageschaden für den Tourismus, und einen „Multiplikatoreffekt“: Sobald jemand in einer Motorradgruppe von dem neuen Fahrverbot betroffen sei, sei die gesamte Gruppe für den Tourismus verloren, erklären die beiden in einer Aussendung.

Motorrad Tourguide Swizzlybiker auf dem Kunkelspass
Motorrad Tourguide Swizzlybiker auf dem Kunkelspass

Meine persönliche Meinung

Im Rahmen meiner Weiterbildungen zum „Master Agile Coach IUE / Srum Masrer IUE bzw. „CAS Consultant Design Thinking IUE“ habe ich gelernt, dass eine Wertschätzende Kommunikation wichtig sei. Man solle aufeinander zugehen, die Voten des Vorredners aufnehmen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Den Vertretern der extremen Positionen swohl auf der Pro- aus auch der Contra-Seite empfehle ich, ebenfalls so einen Kurs zu besuchen.

Ja, Anwohner haben ein Recht darauf, nicht übermässig Lärm ausgesetzt zu werden. Allerdings ist es in der Natur der Sache, dass an einem Flughafen, einem Schiessplatz oder eben einer Strasse, Lärm verursacht wird. Verbote sind somit der falsche Weg, zumindest wenn sie so spontan und unüberlegt ausgesprochen werden.

Vor der Corona-Krise wurde in vielen Städten und anderen touristischen Attraktionen im In- und Ausland vom sogenannten Overtourism geschrieben und gesprochen. Bei den beliebtesten Motorradstrecken handelt es sich wohl um ein ähnliches Phänomen. Die Dosis wird am einen oder anderen Ort zu gross. Hier komme ich zurück auf Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift ist.“

Mein Lösungsvorschlag und Aufruf an Anwohner, Biker & Vertreter des Tourismus

Setzt Euch zusammen, engagiert einen Mediatoren, startet einen Design-Thinking-Prozess und Ihr werdet stauen, was Ihr übereinander lernt und wie leicht Ihr gemeinsam zu mehreren, für alle tragbare Lösungen kommen werdet.

Es bringt nichts, sich gegenseitig eine Schuld oder Uneinsichtigkeit vorzuwerfen. Das Problem wird einfach unterschiedlich wahrgenommen und egal welche extreme Lösung man wählt, man greift in die Persönlichkeitsrechte ganzer Gruppen – entweder der Anwohner oder der Biker oder der Touristiker – ein. Es gibt nur gemeinsame Lösungen.

Swizzlybiker wird alternativ betriebene Motorräder einsetzen, sobald diese Reisetauglich sind und deren Ökobilanz nachweislich eine Verbesserung bringt. Leider sind die Hersteller unseres Wissens noch nicht so weit, wobei sich hier Veränderungen ankündigen.

Swizzlybiker schreibt es sich auf die Fahne, Wünsche und Träume zu erfüllen. Swizzlybiker fokussiert sich auf die Grand Tour of Switzerland, welche offiziell als Rundfahrt konzipiert wurde. Swizzlybiker unterstützt Vorhaben, welche zur Reduktion von Lärmbelästigung führen, stellt sich jedoch entschieden gegen voreilig ausgesprochene Verbote.

Lass uns eine Diskussion führen. Deine ehrliche, mit Anstand und Respekt formulierte Meinung interessiert uns.

Swizzlybiker auf dem Sustenpass
Swizzlybiker auf dem Sustenpass

4 Antworten

  1. Fakt ist, dass eine ganz kleine Minderheit die Mehrheit anständiger in Verruft bringt. Dies ist bei Motorrädern, Autos oder auch bei Skifahren so. Eine Minderheit zerstört vieles und die andere Minderheit der sogenannten Reklamierer gegen alles wird gross in den Medien und bei gewissen Politikern dargestellt.
    Die Mehrheit müsste eben mal mindestens bei allen Wahl- Urnengängen eben auch wirklich wählen-abstimmen gehen. Damals bei der Einführung der Schwerverkehrsabgabe habe ich LKW Fahrer weitergebildet. Alle klagen die LSVA bringt uns um. Ich sagte geht an die Urne und nehmt alle Verwandten mit.
    Nach der Abstimmung das grosse Klagen: Wer war an der Urne? Von 25 Kursteilnehmern haben 4. Stück an der Urne die LSVA abgelehnt, allesamt sind als LKW Fahrer betroffen… noch Fragen?

    1. Danke für Deinen Kommentar.
      Ja, in der Schweiz haben wir das Privileg, dass wir mitreden dürf(t)en. Leider machen viel zu wenige von diesem Recht Gebrauch. Da gebe ich Dir voll und ganz Recht!

  2. Danke Dir, Andreas, für diese wohlbedachten Zeilen, die hoffentlich helfen, ein wenig das Feuer aus der hochkochenden Lärmdiskussion in DE, AT und CH zu nehmen!

    Das „Miteinander“ hat in der letzten Zeit stark gelitten, und die kürzlich neu gewonnene „Freiheit“ nach den Lockdowns war dem Thema wohl nicht ganz dienlich – ich vermute, zahlreiche Biker mussten auf den ersten Ausfahrten mal „so richtig“ Gas geben ..

    1. Lieber Jürgen
      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich denke, Du bringst es gut auf den Punkt! Hoffen wir auf die Vernunft aller Beteiligten.

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