Mein Leben im Zeichen des Coronavirus

Liebe Freunde in meinen sozialen Medien

Warum dieser Blog

Für Eure zahlreichen Nachfragen, wie es mir denn hier gehe, will ich mich herzlich bedanken. Die meisten von Euch leben irgendwo auf unserem Globus verteilt. Einige von Euch kennen meine Heimat sogar lediglich von meinen Fotos, welche ich jeweils während meinen Motorradreisen und Motorradtouren auf meinem Instagram oder Facebook-Account poste.

Damit ich nicht jedem einzelnen meine Geschichte entweder unterschlagen oder all zu umfassend schildern muss, habe ich mich entschieden, meinen Blog umzufunktionieren und über Dinge zu berichten, welche ich im Rahmen dieser unerwarteten und globalen Challenge erfahre und erlebe. Das alles aus meiner persönlichen, subjektiven Sicht.

Wahrscheinlich werden weitere Blogbeiträge folgen, denn ich merke, es tut mir gut, diese globale Challenge auf diese Art und Weise zu verarbeiten. Auch wenn dies hier meine persönliche Betrachtungsweise ist, freue ich mich, wenn Du mir am Ende des Blogs Dein Feedback, was Du über diesen Beitrag denkst, mitteilst.

Einleitung

Die Zeiten hier spielen verrückt. Wie wohl die meisten von Euch, erlebe auch ich unsere Welt von einer mir bisher unbekannten Seite. Damit Ihr besser versteht, was bei uns politisch und gesellschaftlich im Rahmen dieser Krise geschieht, und wie sich diese Krise auf mein Privatleben auswirkt, will ich zuerst versuchen, Euch mein Land und sein politisches System näher zu bringen. Ich versuche, nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Willst Du mehr ins Detail gehen, darfst Du mich jederzeit fragen. Bitte auch dies, unten hier im Blog.

Zuerst aber noch…

mein persönlicher momentaner Eindruck (22./23.3.2020)

Die Schweiz ist noch nicht so schlimm dran, wie es Norditalien ist. Unvorstellbar, dass dieser Landesteil, wo ich sonst so häufig mit dem Motorrad unterwegs bin und in der Vergangenheit so herrliche Aussichten geniessen durfte, derart mit dem Pandemie-Virus Corona (COVID 19) heimgesucht wird. Ich bin nicht wirklich religiös, aber ich habe begonnen, mein tägliches autogenes Training mit einer Art Gebet zu ergänzen. Zur Zeit bete ich unter anderem auch für Norditalien (am schlimmsten hat’s ja die Lombardei erwischt) und unser schweizerisches, italienisch sprechendes Tessin. Ich hoffe sehr, dass die Menschen dort bald wieder von dieser Geissel der Natur befreit werden.

Per tutti gli abitanti del Nord Italia e del Ticino. Sii forte! Pensiamo e preghiamo per voi!

Lanzo d’Intelvi, Provinz Como in der Lombardei

Bill Gates warnte schon 2015

Erschrocken über unsere Ignoranz bin ich, als ich darauf hingewiesen wurde, dass Bill Gates bereits 2015 davor gewarnt hat. Sie dazu dieses Youtube-Video.

Die Schweiz und ihre aktuelle Situation

Nachfolgend will ich Dir aufzeigen, was mein Land – die Schweiz – vorgekehrt hat. Dazu will ich Dir aber zuerst erklären, wir unser Land aufgebaut ist und welche politischen Strukturen wir haben. So kannst Du die Zusammenhänge besser verstehen. Bist Du jedoch Schweizerin oder Schweizer, dann wird das Dich jetzt (hoffentlich) alles schon klar sein, und Du wirst feststellen, dass ich nicht auf jedes Detail eingehen werde. Es geht hier lediglich um des vermitteln eines Grobüberblickes.

Die Schweiz und ihre 26 Kantone

Die Schweiz ist wie Deutschland und Österreich eine Bundesrepublik. Die 26 «Bundesländer» der Schweiz werden Kantone genannt. Das Wort Kanton wurde in der Zeit Napoleons aus dem Französischen übernommen. In Frankreich wird mit diesem Begriff allerdings eine tiefere Verwaltungsebene bezeichnet, die ungefähr den deutschen Landkreisen entspricht.

Die 26 Kantone der Schweiz sind historisch gewachsen, ihre Fläche und Bevölkerungszahl sind sehr unterschiedlich. Der grösste Kanton (Graubünden) hat die 192-fache Fläche des kleinsten Kantons (Basel-Stadt), aber dennoch weniger Einwohner als dieser. Der bevölkerungsreichste Kanton Zürich hat rund 80 mal mehr Einwohner als der Kanton Appenzell Innerrhoden.

Die Kantone haben gewisse eigene Hoheiten. So werden z.B. Schulen oder Polizeien und anderes mehr kantonal geregelt.

Die Schweiz und ihr Mehrparteiensystem

Eingereichte Listen bei den Nationalratswahlen, nach Parteien, 2019
Quelle: BFS

Die politischen Parteien der Schweiz sind stark vom Schweizer Föderalismus geprägt. Die grösseren Parteien sind meist auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene durch kantonale und kommunale Sektionen aktiv, wogegen sich viele kleine Parteien auf die politische Arbeit in ihrem Kanton oder in ihrer Gemeinde beschränken.

Die Parteienlandschaft ist heterogen: vier bis fünf grössere Parteien, die meist in Bund, Kantonen wie auch Gemeinden Regierungsverantwortung wahrnehmen, und viele kleine Parteien decken das ganze politische Spektrum sowie eine Reihe von Sonderinteressen ab. Der Wähleranteil der beiden grossen politischen Lager ist seit rund hundert Jahren praktisch unverändert: Bürgerliche (liberale und konservative) Parteien vereinen rund zwei Drittel, linke Parteien ein Drittel der Stimmen auf sich, wobei es bei den letzten Wahlen einen regelrechten “Grünrutsch” gegeben hat.

Im Unterschied zu vielen anderen Ländern besteht kaum eine Parteiengesetzgebung und die Parteienfinanzierung ist weitgehend unreguliert.

Unsere Landesregierung kurz erklärt

Der Bundesrat

Der Bundesrat 2020
Walter Thurnherr (Bundeskanzler), Viola Amherd, Guy Parmelin (Vizepräsident 2020)
Alain Berset, Simonetta Sommaruga (Bundespräsidentin 2020),
Ignazio Cassis, Ueli Maurer, Karin Keller-Sutter

Der Bundesrat ist eine Kollegialbehörde. Dadurch unterscheidet sich der Bundesrat teils erheblich von den Regierungen anderer demokratischer Staaten. Er besteht aus sieben gleichberechtigten Frauen und Männern, die von der Vereinigten Bundesversammlung fest auf vier Jahre gewählt werden. Die 7 Mitglieder stammen aus Parteien, welche mit Hilfe der “Zauberformel” einen Bundesratssitz zugesprochen erhalten. Die Zauberformel kurz erklärt: Die drei Parteien mit der grössten Parteistärke erhalten zwei, die mit der viertgrössten einen Sitz. Gelegentlich kommt es hier zu Verschiebungen, wenn eine Partei an Wählerstärke gewinnt oder verliert. Manchmal finden diese auch zeitverzögert statt, damit nicht amtierende Bundesräte abgewählt werden müssen/sollen. Der Bundesrat als Ganzes (und nicht der Bundespräsident) übt auch die protokollarischen Funktionen aus, die in anderen Ländern dem Staatsoberhaupt obliegen (ein solches Amt sieht die Bundesverfassung nicht vor).

Der Nationalrat

Switzerland, Bern, 09.03.2011 Frühlingssession. © 2011 Béatrice Devènes

Der Nationalrat zählt 200 Mitglieder. Er vertritt das Schweizervolk. Die 200 Sitze werden nach der Bevölkerungszahl (Gesamtzahl der Einwohnerinnen und Einwohner = Wohnbevölkerung) auf die 26 Kantone verteilt. Jeder Kanton hat aber wenigstens einen Sitz. 

Der Ständerat

Der Ständeratssaal

Der Ständerat repräsentiert die Kantone. Er setzt sich aus 46 Vertreterinnen oder Vertretern aller Kantone zusammen.

Die vereinigte Bundesversammlung

Die Stühle der vereinigteb Bundesversammlung bleiben infolge der Corona-Krise leer

Die vereinigte Bundesversammlung besteht aus dem Nationalrat und dem Ständerat.

Die beiden Räte, d.h. der Nationalrat und der Ständerat, verhandeln in der Regel getrennt. Beratungsgegenstände, die für eine getrennte Behandlung in den Kammern nicht geeignet sind, werden von den Räten jedoch als Vereinigte Bundesversammlung gemeinsam behandelt. Die Bundesverfassung zählt diese abschliessend auf.

Die Vereinigte Bundesversammlung versammelt sich, um

  1. Wahlen vorzunehmen,
  2. Entscheide bei Zuständigkeitskonflikten zwischen den obersten Bundesbehörden zu fällen und
  3. Begnadigungen auszusprechen.

Die Voraussetzungen für den heute geltenden Notstand

Das Notstandsrecht wird detailliert in der Dissertation von David Rechsteiner erklärt, erläutert und beleuchtet.

Epidemiegesetz

In der Schweiz kennen wir ein noch relativ junges (2016) Epidemiegesetz. Das Gesetz hat drei Stufen – die normale, die besondere und die aussergewöhnliche Lage. Die nun viel zitierte «ausserordentliche Lage» – jetzt gilt sie. 

Ausserordentliche Lage = Notstandsrecht

Coronavirus: Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage»

In der Schweiz herrscht seit Montag, 16. März 2020 die ausserordentliche Lage. Faktisch ist das Notrecht, oder eben Notstandsrecht. Das heisst, der Bundesrat übernimmt die Führung und erlässt Verordnungen, welche unser Land vor eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit schützen sollen. Diesen Verordnungen haben sich die Kantone zu unterziehen. Die Kantone verlieren also für eine gewisse Zeit ihre vorher im Text angesprochene, und situativ vom Bundesrat definierte Hoheit. Das gab es seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Es kam diese Tage aber auch vor, dass einzelne Kantone Entscheide gefällt haben, welche sie eigentlich gemäss Notstandsrecht nicht hätten fällen dürfen.

Beispiel aus meiner Sicht als Touristiker: Der Bund hat vor einigen Tagen verfügt, dass sämtliche Skigebiete per sofort geschlossen werden müssen. Darauf folgend hat der Kanton Wallis, wo viele Skigebiete liegen, beschlossen, dass die Hotels ebenfalls ab sofort zu schliessen haben. Der Bundesrat hat diesen Beschluss dann mittels anschliessend ausgerufenem Notstandsrecht widerrufen.

Problem: Den Hoteliers in den Skigebieten wird faktisch die Lebensgrundlage entzogen, kriegen aber infolge der Tatsache, dass sie nicht behördlich geschlossen bleiben müssen, keine Entschädigungen. Ein problematischer und für viele betroffene Hotels existenzgefährdender Entscheid.

Massnahmen & Eingriffe ins gesellschaftliche Leben und in die Wirtschaft

zvg. & @Ralph Lütken 2020

Der Bundesrat hat nun also folgendes verfügt, und daran müssen sich auch unsere 26 Kantone (die Länder der Schweiz) halten:

Öffentliche und private Veranstaltungen verboten. Alle Läden, Märkte, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wie Museen, Bibliotheken, Kinos, Konzert- und Theaterhäuser, Sportzentren, Schwimmbäder und Skigebiete werden geschlossen. Ebenso werden Betriebe geschlossen, in denen das Abstand halten nicht eingehalten werden kann, wie Coiffeursalons oder Kosmetikstudios. Eine Übersicht über alle Massnahmen findest Du hier in den Massnahmen des Bundesrates.

Leider kommt es mit diesen Regelungen zu Ungerechtigkeiten. Beispiel: Ich musste Lebensmittel einkaufen, was lebensnotwendig ist. Ich wollte vor der Krise Büromaterial besorgen, was nicht lebensnotwendig ist. Die lokalen Papeterien mussten schliessen, da nicht lebensnotwendig. Im Grossverteiler konnte ich aber das nicht lebensnotwendige Büromaterial trotzdem kaufen. Das ist natürlich ungerecht aus Sicht des Papeterie-Besitzers. Inzwischen wurden die Regale in den Grossverteilern teilweise abgedeckt und für den Verkauf gesperrt. Aus Sicht des Konsumenten ist das doof. Idee: aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn die Grossverteiler in ihren Ortschaften dem jeweiligen lokalen Gewerbeverein einen Solidaritätsbeitrag ausschütten würden.

Meeting friends in Dubrovnik
Meeting friends in Dubrovnik

Als gesellschaftliche Verschärfung – weil einfach ein paar Unverbesserliche nicht wahrhaben wollen, dass die Situation ernst ist – dürfte auch folgendes Verbot von Teilen unserer Gesellschaft als einschneidend empfunden werden und diese nachhaltig verändern:

Ansammlungen von mehr als fünf Personen sind verboten.

Weiters wurden die Grenzkontrollen zu unseren Nachbarländern wieder eingeführt. Schengen-Visas und eigene Visas werden vorerst keine mehr ausgestellt.

Das sind drastische, einschneidende aber notwendige Massnahmen. Auch wenn es zum Teil zu herzzerreissenden Einzelschicksalen an den Grenzposten kommt.

Die Hilfsbereitschaft als Reaktion

Die Hilfsbereitschaft im Allgemeinen

Hilfsbereitschaft
Quelle karriere.de

Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist unterschiedlich gross. So hat es zum einen eine Weile gedauert, bis wirklich die grosse Mehrheit (einzelne Ignoranten wird es leider immer geben) der Bevölkerung begriffen hat, dass die Lage ernst ist. Aber einige waren schnell und haben Hilfsorganisationen aufgebaut, mit dem Ziel, dass jüngere, gesunde Menschen für die Menschen der Risikogruppe z.B. Einkäufe erledigen. Hier zeigte die Digitalisierung ihre Tücken. Die meisten älteren Menschen sind nicht auf Facebook, Twitter, WhatsApp & Co. So hat es eine Weile gedauert und dauert immer noch an, alle zu erreichen. Hier zwei er löblichen und mir bekannten Beispiele: www.hilf-jetzt.ch www.fiveup.org

Die Hilfsbereitschaft der Biker (Motorradfahrer)

Biker-Freunde München
Tourguide-Freunde München. V.l.n.r. Jürgen Honscheid; Swizzlybiker; Ulli Wittmann, MWZ

Meine Absicht zur Hilfe

Ich dachte, ich schliesse mich an und will auch helfen. Als Motorradfahrer war ich der Meinung, dass sicherlich viele Motorradfahrer auch mithelfen wollen und habe zuerst eine Facebookgruppe im Rahmen von hilf-jetzt installiert. Weil ich dachte, die Logistik könnte gesamtschweizerisch aus Motorradfahrersicht eine Herausforderung darstellen, habe ich dann noch eine Biker-Helfer-Gruppe mit Fiveup zusammengestellt. Fiveup ist eine App, welche auch vom Schweizerischen Roten Kreuz mitgetragen wird. Hier kann man sich sowohl als Hilfesuchender wie auch als Helfender registrieren. Meine Idee war bzw. ist, dass wir uns als Ergänzung zu den bereits bestehenden Gruppierungen sehen. Es gibt bestimmt Menschen der Risikogruppe, welche abgelegen/weit vom Schuss leben und keine Hauslieferungen erhalten. In diese Nische wollen wir einspringen. Zumindest ist das meine und die einer Handvoll anderer Biker und Bikerinnen Absicht, welchen ich an dieser Stelle herzlich danke.

Das Feedback zu meiner Hilfe

Ausserhalb der Bikerszene wurde meine Absicht zur Hilfe mit grossem Wohlwollen aufgenommen. Sogar unsere Lokalzeitung, wollte mit mir – selbstverständlich unter Berücksichtigung der Social Distancing-Vorgaben – ein Interview abhalten. Die Reaktionen auf den Artikel waren mehrheitlich positiv.

Tourguides in Action / @Swizzlybiker
Tourguides in Action

Innerhalb der Bikerszene jedoch……..ernüchternd. Dies aber mal im Telegrammstil:

  • Einige aus der Risikogruppe haben sich bedankt. Hat mich gefreut.
  • In meinen eigenen Facebook-Gruppen war die Reaktion verhalten-positiv.
  • In den anderen Facebook-Gruppen wurde mein Hilfeaufruf geblockt und entfernt. Man habe jetzt genug von Corona gehört…
  • In einigen Gruppen wurde ich zurechtgewiesen, so ein Angebot gehöre in ihren Marktplatz und nicht in die “normale” Gruppe…
  • Auf einer WhatsApp-Gruppe wurde über den passenden Namen für diese Aktion debattiert, seine konkrete Hilfe hat aber keiner angeboten…

Leute, die Hilfsbereitschaft kritisieren, gibt es leider auch. Wie auch solche, welchen sich keinen Deut um die Vorgaben des Bundes zu Gunsten der Allgemeinheit kümmern.

Trotzdem gibt es sehr viel Biker da draussen, die aktiv mitwirken wollen oder dies schon auf eigene Faust tun. Wir helfenden Biker werden dieses Angebot nur so lange aufrecht erhalten können, als dass wir keine Ausgangssperre haben werden. Diese wird inzwischen gemäss Medien – welche leider teilweise die Menschen noch zusätzlich verunsichern und in den Pressekonferenzen nicht richtig oder nur einseitig zuhören – ja auch für unser Land in Erwägung gezogen. Ob das stimmt wird die Zukunft weisen.

Fazit zum Thema Feedback: Diese Art von Bikerhilfe ist neu und es scheint jemanden zu benötigen, der sich traut und voranschreitet. Für einige Biker scheint es noch zu wenig cool zu sein. Ich bin mir aber sicher, dass das noch ändern wird.

Gestern war der Jesuit und Zen-Meister Niklaus Brantschen zu Gast im Tagesgespräch von SRF1 und sagte: “Gutes tun tut gut!” 
Wie recht er doch hat!

Die Bedeutung aus wirtschaftlicher Sicht

Für die Wirtschaft und auch für meine junge Startup-Firma Global Riders AG und seinen angegliederten Schweizerischen Motorrad-DMC “Swizzlybiker“, welcher Motorradtouren in der Schweiz anbieten will, ist das eine Katastrophe.

Aufgeben? Weit gefehlt. #jetzterstrecht !

Weiterbildungs-Offensive Startup Global Riders AG

Ich habe mich schon vor der Krise dazu entschlossen, mittels Design Thinking die komplette Customer Journey unserer künftigen Kunden abzubilden und in einem zweiten Schritt, ebenfalls mit Hilfe des Design Thinking‘s, ein Führungscockpit für den lokalen, unabhängigen Motorradtourguide zu entwickeln. Aus diesem Grunde haben wir von Global Riders entschieden, zusammen mit der Hochschule Basel eine Weiterbildung zum Consultant CAS Design Thinking IUE mit 50 % Vergünstigung für den Kursteilnehmer anzubieten, welcher vom Bildungszentrum Agilitätskonform durchgeführt werden wird – selbstverständlich grösstenteils digital. Wahrscheinlich werden wir die Fragestellung nun anpassen müssen und der Firma Global Riders AG vielleicht sogar ein neues Betätigungsfeld zuweisen. Ich muss/darf/kann jetzt auf meine Fähigkeiten als CAS Master Agile Coach IUE & Scrum® Master IUE zurückgreifen.

Anmerkung: DMC steht für Destination Management Company. So bezeichnet man eine Firma, welche als Subunternehmer für z.B. ausländische Tour-Operators (Reiseveranstalter) oder auch als direkter Partner für Unternehmen in der Destination (z.B. Hotels, Incentive-Firmen und/oder andere DMC’s) das Handling von Motorradreisegruppen und die Programmgestaltung/ Rahmenprogramme im Zielgebiet übernimmt.

Massnahmen des Bundes für die Wirtschaft

Leeres Restaurant

Der Bundesrat hat umsichtig und schnell gehandelt und folgendes verfügt: Die Wirtschaft erhält total über 40 Milliarden Franken, welche für verschiedene Massnahmen eingesetzt werden.

Die Massnahmen mit den dazu vorgesehenen Verordnungen, welche am Mittwoch, 25. März 2020 in Kraft gesetzt werden sollen, findest Du in der Medienmitteilung des Bundes

Ich verzichte vorerst darauf, vertieft auf die Thematik einzugehen, obwohl ich eigentlich schon ein ganzes Kapitel dazu geschrieben hätte. Bei Interesse, melde Dich bei mir. Ich habe sämtliche verfügbaren Informationen zusammengetragen und bin bestens im Bilde, wie die Massnahmen umgesetzt werden sollen.

Die Massnahmen wurden sehr schnell beschlossen und haben ein positives Signal an die breite Masse gesandt, auch wenn einzelne Branchen und Problemfelder nicht ausdiskutiert werden konnten und dadurch wohl noch justiert werden müssen. Dem Bundesrat winde ich hier ein Kränzchen. Der Bundesrat hat Führungsstärke bewiesen. Chapeau.

Doch was ist mit den Startups?

Quelle: https://www.deutsche-startups.de
Quelle: https://www.deutsche-startups.de

Noch nicht ganz klar ist mir persönlich, ob und wo mein Startup in seiner Situation zu Geld kommen kann. Mein Startup befindet sich im Aufbau, hat noch keine Umsätze generiert und einen Lohn konnte ich mir ebenfalls noch keinen ausbezahlen. Im Businessplan war vorgesehen, dass dies bald der Fall sein solle, sofern das ursprünglich für diesen Monat geplante Crowdfunding von Erfolg gekrönt gewesen wäre und der Brand “Swizzlybiker” seine ersten Touren ab Interlaken und Zürich hätte anbieten können.

Dass unter den aktuell gegebenen Umständen eine Crowdfunding Aktion zu Hohn und Spott führen würde und dass vorhandene Buchungen storniert und derzeit keine neuen hinzukommen, liegt jedem vernünftig denkenden Menschen auf der Hand. Somit musste ich vorerst alle Aufträge (Erstellung Website, Verfeinern existierendes Marketing- und Kommunikationskonzept etc.) sistieren/still legen. Abwarten. Überblick verschaffen. Ruhig bleiben…

Den beteiligten Stakeholder danke ich an dieser Stelle für ihr Verständnis. Sie sind zum Teil in der selben herausfordernden Situation. Als bestehende KMU’s mit ausgewiesenen Löhnen und Umsätzen müssen sie jedoch nicht um ihre finanzielle Existenz bangen.

Ich bin trotz allem positiv eingestellt was das berufliche anbetrifft. Ich habe mich von Anbeginn an auf einen steinigen Weg eingestellt. Im übertragenen Sinn muss ich nun also in den Offroad-Modus wechseln…

Das Leben Zuhause

Normalerweise vermeide ich es, über mein Privatleben zu berichten oder zu schreiben. An dieser Stelle will ich dies ausnahmsweise tun, wenn auch in einer etwas anonymisierten Form.

Home-Office

Arbeiten "on the road"
Arbeiten “on the road”

Im Home-Office zu arbeiten ist nun für viele, welche in Berufen arbeiten, die im Büro bewältigt werden können, Pflicht. Für mich ist das nicht wirklich was neues, wobei ich meistens ja “on the road” arbeite. Ich bezeichne mich daher jeweils als “digitaler Nomade mit festem Wohnsitz”. Ich arbeite schon seit langem in dieser Form und bin glücklicherweise recht gut ausgerüstet. Das Nomadentum jedoch musste ich jedoch einstellen. Touren führen ist während der Coronakrise richtigerweise offiziell verboten. Nur dumm, dass mich das Verbot in der Startup-Phase erwischt.

Ich lerne diese Tage jedoch auch sehr viel dazu. Ich bin im Austausch mit anderen Leuten aus der ganzen Welt per WhatsApp, LinkedIn, Facebook, Twitter etc. und lerne neue Produkte, Apps und Facts kennen.

Und ich mache die Erfahrung, was es heisst, eine Hilfsorganisation auf die Beine zu stellen. Eine wertvolle Erfahrung.

Anmerkung: Lange Zeit habe ich mich auf verschiedene Stellen beworben. So unter anderem bei Reisebüros aber auch in meinem urprünglich angestammten Gebiet im Banken- und Versicherungswesen. Ich weiss, dass der Lohn in der Reisebranche nicht üppig ist. Ich wollte aber was dazulernen. Auf der anderen Seite hätte ich den Reisebüros, aber auch den anderen Firmen, sehr viel Knowhow und vor allem verkäuferisches Flair mitbringen können. Von den genannten Institutionen kriege ich immer wieder die selben standardmässigen Absagen. Der Gang in die Selbständigkeit, ist also die einzige logische Schlussfolgerung.

Home-schooling

Mein Sohn hat ja nun keinen Schulunterricht in der Schule, hat aber von seinen Lehrkräften Schulaufgaben erhalten, welche ihm wöchentlich in seinem Schulhaus (hoffentlich unter Berücksichtigung des Social Distancing’s) übergeben werden. Diese kann er zum grössten Teil selbständig erledigen und wir Eltern müssen lediglich punktuell kontrollieren. Ich will an daher nachfolgend GROSSE Komplimente aussprechen:

Quelle: https://swisshomeschoolfamily.org
Swiss Home School / Quelle: https://swisshomeschoolfamily.org

vielen herzlichen Dank an…

…die Lehrkräfte

Sie sind gefordert und mussten schnell was herzaubern. In dieser kurzen Zeit ist das – denke ich – sehr gut gelungen. Bravo und vielen Dank! Jetzt gilt es, fortlaufend dazu zu lernen und die genutzten Systeme fortlaufend zu optimieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung kennen zu lernen und zu nutzen. Bei Bedarf kann ich hier sicherlich helfen. Ich sehe aber, dass sie einen guten Job leisten und meine Dienste wohl kaum benötigen werden.

…meine Ex-Frau, die Mutter meines Sohnes

Sie hat die abgegebenen Aufgaben feinsäuberlich organisiert, sortiert und strukturiert. So ist es sowohl für meinen Sohn als auch mich, ein leichtes, sich zurechtzufinden.

Drum: ein RIESENGROSSES Kompliment!

Mein Sohn lernt sehr viel nützliches bei ihr, das er bei mir nicht oder weniger lernen würde. Bei ihr hat vieles mit Kochen, Garten, Handwerk und Natur zu tun. Bei mir lernt er eher Dinge über Technologie sowie Wirtschaft & Tourismus im Kleinen wie aber vielleicht auch ein wenig über Psychologie, was er übrigens von beiden Eltern mit auf den Weg kriegt. Anstand, Respekt, Empathie. Sich für eine Sache einsetzen, von der er überzeugt ist. Mit Argumenten zu überzeugen versuchen und nicht mit Streit.

Anmerkung: Wir leben das Wechsel- bzw. Doppelresidenzmodell, oder wie man es in der Schweiz nennt, die geteilte Obhut. Sowohl für Kind als auch Eltern hat sich diese Form bewährt. Besonders in dieser aussergewöhnlichen Situation ist es – denke ich – für alle eine wohltuende Erleichterung und Bereicherung.

Wer mehr über das Doppelresidenzmodell erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch von Frau Dr. Hildegund Sünderhauf, “Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis”.

…meinen Sohn

Er wächst zu einem verantwortungsbewussten und gewissenhaften jungen Mann heran. Er respektiert die Anstandsregeln, hört stets zu und fragt nach, wenn er etwas nicht sofort versteht. Auch verteidigt er seinen Standpunkt, wenn er von ihm überzeugt ist. So manches mal musste ich ihm schon recht geben, weil Ätti – so nennt er mich – sich geirrt hat. Aber er akzeptiert es auch, wenn er meinen Argumenten recht geben muss. Probleme in der Diskussion lösen: mit ihm funktioniert das vorbildlich. Mein Sohn, ich bin sehr stolz auf Dich!

…meine Eltern & meine Brüder

Ich bin in telefonischem Kontakt mit meinen Eltern. Sie gehören – das liegt in der Natur der Sache – inzwischen auch zur sogenannten Risikogruppe. Dass sie sich daran halten und nicht mehr einkaufen gehen sowie für ihren täglichen Spaziergang eine Strecke ausgesucht haben, wo höchst selten jemand anzutreffen ist, dafür bin ich als Sohn als auch als Teil der Geselleschaft dankbar. Ich habe meine Motorrad-Einkaufshilfe angeboten, meine Brüder hätten sie jedoch bereits mit den notwendigsten versorgt. Daher auch ihnen allen meinen Dank.

Lauterbrunnental & GTOS @Swizzlybiker
Lauterbrunnental & GTOS @Swizzlybiker

Schlusswort

Ich hoffe, Du hast nun einen Überblick über mein quasi-Quarantäne-Leben erhalten. Es ist, aus meiner individuellen und subjektiven Sicht sicherlich eine Herausforderung aber in Panik zu verfallen bringt mich und mein Umfeld nicht weiter. Auch Hamsterkäufe werde ich keine machen. 😉

Schlimm an der Krise ist, dass viele Menschen unsägliches Leid ertragen müssen. Andere Berufsgruppen als die meine kommen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Es ist nicht einfach das einfach so hinnehmen zu müssen, hätten wir doch die Kapazität zu helfen. Am Patienten helfen ist nicht möglich, aber in der Logistik wäre es möglich. Vielleicht wird ja aus der “Biker – hilf jetzt”-Gruppierung eine bestehen bleibende Organisation. Wir könnten häufig rasch und unkompliziert dort in der Logistik einspringen, wo andere Ressourcen bereits gebunden sind oder wo es einfach schnell gehen muss.

Ich bin dankbar und wünsche Dir, liebe Leserin, lieber Leser, alles Gute und vor allem beste Gesundheit. Ich schliesse mit dem Zitat von Arthur Schopenhauer:

“Gesundheit ist nicht alles. Aber ohne Gesundheit ist alles nichts!”

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